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Alles in Butter?

von Harry Quaderer

…ein Jahr nach den Landtagswahlen? Das erste Jahr der Koalitions- oder Ko-Oppositions-Regierung Hasler/Risch war Ende März überstanden. Es stellt sich die spontane Frage: Hat die neue FBP/VU-Regierung eine Kursänderung vollzogen? Oder geht es weiter wie gehabt? JEIN, wäre meine Antwort. Die Regierung bemüht sich wohl redlich, in einen Gestaltungsmodus zu schalten, doch ganz so einfach und schnell geht es wohl nicht. Es gibt immer mehr Anzeichen, dass man gewillt ist, die Geldhähne wieder aufzudrehen. Auch im Landtag scheint wieder der Wille zu herrschen: Gestalterisch aktiv zu werden, also Geldhähne öffnen.

Im ersten Jahr der Regierung Hasler/Risch wurde im Landtag alles andere als einhellige Entscheidungen getroffen. Der Landtag zeigt sich gegenüber der Regierung selbstbewusster. Gut so. Auch im du-Lager gehen die Meinungen zu diversen Themen weit auseinander.

Ist wirklich alles in Butter?

Die Parteiquerelen innerhalb der FBP konnten nicht mehr unter Verschluss gehalten werden. Sie kulminierten im Parteiaustritt von Johannes Kaiser, dem Unterländer Abgeordneten mit den meisten Wählerstimmen. Warum und weshalb es zu diesem Zerwürfnis kam, wissen die direkt Beteiligten am allerbesten. Die interne Kommunikation scheint nicht stattgefunden zu haben, die externe Kommunikation war von gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt.

Die Strukturen der Altparteien sind einem gravierenden Wandel unterworfen, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht.  Dieses zwanghafte Versuchen, alle und alles unter einen Hut zu bringen, dem Partei-Segen zuliebe, das ist ein Auslaufmodell! Dieses Partei-Gehabe, von oben nach unten, Präsidium, Regierung, Parteiräte, Ortsgruppen, Frauen, Alters- und Junggremien, das alles in einen Mantel zu kleiden und zu hoffen, dass die Abgeordneten alle spuren – das war einmal.

Einzig die VU scheint da noch einen Trick zu haben, könnte man meinen, wenn man den Abgeordneten Mario Wohlwend hört: «Das Geheimnis der VU liegt darin, dass es der Fraktion und dem Fraktionssprecher gelingt, die Kompetenzen der Landtagsabgeordneten zu bündeln…» Da Günther Vogt noch nicht lange das Amt des Fraktionssprechers inne hat, scheint er ein wahrer Magier zu sein. Mit einem Mitstreiter wie Mario Wohlwend, der zwar den Fraktionszwang für verfassungswidrig hält, jedoch die Magie in der Fraktionsdisziplin sieht, lässt sich offensichtlich gut «koordinierte» Parteipolitik treiben. Ich wünsche ihm gutes Gelingen und – in der blumigen Sprache des Abgeordneten Wohlwend – viel Spass in der VU-Küche. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis man merkt, dass man Tellerwäscher, aber kein Koch ist

Die Gratisbutter zerläuft

Der Verein «Hoi Quote», das Frauennetz, die INFRA, etc. wollen mehr Frauen in der Politik. Gleichberechtigung per Verordnung und Gesetz. Bedingungslos. Gleichheit für alle! Jedem Menschen, jedem Mann (nicht mehr sicher), jeder Frau, jedem Kind soll der Staat verpflichtet sein, die gleichen Chancen zu bieten. Selbstverständlich darf der Staat nicht diskriminieren. Selbstverständlich hat der Staat die Aufgabe, Minderheiten oder Unterprivilegiete zu schützen. Aber die Frauen sind weder eine Minderheit noch unterprivilegiert! Sie sind die Mehrheit! Wenn sie wollen und zusammenstehen, haben sie das Sagen!

Der Staat! Von der Wiege bis zur Bahre soll er alles richten. Vom Babysitting bis zur Alterspflege. Ob auf Deutsch, Englisch oder Arabisch spielt gerade auch keine Rolle mehr. Alle sind gleich, aber soll dem Staat, unserer Gesellschaft, auch wirklich alles «gleich sein»?

Die Gesellschaft wird immer mehr mit speziellen Forderungen und Ansichten konfrontiert. Da muss und darf man sich schon fragen, lohnt es sich überhaupt noch das Haus zu verlassen, oder soll man sich ganz einfach den Tag im warmen Bett gönnen, im guten Wissen, Manna fällt vom Himmel; dumm ist, wer glaubt, er müsse auch noch was dafür tun.

Frauen beziehen einen Monatslohn vom Staat, um ihre Kinder grosszuziehen, eine Rente werden sie auch bekommen, der Mann schaut RTL II den ganzen Tag und auch das wird noch vom Staat finanziert. Sind wir wirklich so naiv, ja gerade so vollkommen verblendet im Glauben, dass eine solche Gesellschaft und Lebensform auch nur einen Hauch einer Chance hat, auf Dauer zu überleben? Zuerst werden diejenigen Personen den Staat verlassen, die für Einnahmen sorgen, und dann auch noch schnellstmöglich diejenigen, die glauben, dass das Streben nach Glück auch mit ein bisschen Selbstverantwortung und Eigeninitiative zusammenhängt. Weniger Staat, weniger Gleichmacherei, weniger Gesetze, weniger Forderungen an die Allgemeinheit, weniger Zwang und Drang. Oder ist das alles zu viel verlangt?

Visionen aus Butter

In letzter Zeit haben einige Personen in Leserbriefen, 1FLTV, Pressekonferenzen oder Landtagsvoten («richtungsweisenden Zukunftsgedanken»!) geradezu mit Turbovisionen geglänzt. Wohl den Vogel («Colibri») abgeschossen hat da meines Erachtens ein Bürger aus dem Unterland, der von einem Spitalkomplex im Raume Bendern/Gamprin visioniert, der zumindest in Mitteleuropa einzigartig sein dürfte. Sozusagen als Zugabe hat er dann gerade auch noch die Lösung für das Unterländer Verkehrsproblem gefunden. Nur eine Frage scheint noch nicht geklärt: «Wer soll das bezahlen?» Refrain: «Wer soll das bezahlen?»

Natürlich gibt‘s auch im Schulwesen Visionäre zuhauf. Und auch da glänzt ein immer wieder besserwissernder Leserbriefschreiber aus Eschen auf. Da schreibt er doch wirklich in seinem  Leserbrief: «Die vom Landtag verabschiedete Schulbautenstrategie ist als Ganzes sehr erfreulich, wenn man sich auch nicht für die beste und kostengünstigste Variante entschieden hat. Regierung und Landtag verdienen ein grosses Lob.» Zitatende. Bravo.   Zusammengefasst ein Lob für die nicht beste Lösung und ein Lob, weil es wieder einmal zu teuer zu stehen kommt.

Der Schulbautenvisionär aus dem Unterland bezieht sich dann auch noch auf einen notorischen Nein-Sager. Da kann er nur mich gemeint haben, weil ich wirklich nicht für solchen Blödsinn zu haben bin. Ich bin Realist. Wozu eine neue Schule bauen ohne genügend Schüler?  Wozu eine gut funktionierende Schule schliessen und dann Schüler nach Ruggell karren? Als Schaaner kann man‘s halt kaum glauben, dass das Schulareal St. Elisabeth geopfert wird, nur damit im Unterland auch eine neue Schule gebaut werden kann.

Gesunder Menschenverstand  scheint das Nebensächlichste zu sein, bei den Visionären. Man hat offenbar vergessen, dass wir – obwohl ein souveräner Staat – im Grunde genommen nicht mehr als eine Kleinstadt sind.

Es wurden Gründe gesucht und Gründe gefunden. Es muss gebaut werden und zwar sofort!  In meinen Augen werden sich Schülerinnen und Schüler, wenn sie dann auch mal Visionen haben, sich genau nach einem Standort sehnen wie die Schule St. Elisabeth und nicht nach einem schräggebauten Betonhaufen.

Ein Alt-Bundeskanzler meinte: «Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Was lernen wir daraus, liebe du-Leser? «Gesund bleiben!» Dann ist das wesentliche in Butter.

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