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Bullshit Jobs!

2019 Ausgabe 2 Juni Autor: Jack Quaderer

In der «Bilanz» vom Februar dieses Jahres  beschrieb Florence Vuichard ziemlich genau,was «Bullshit Jobs» sind. Den Begriff «Bullshit-Job» hat der Anthropologe und Buchautor David Graeber in seinem Bestseller mit dem gleichen Titel kreiert. «Ein Bullshit Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos und unnötig ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall.»

In Liechtenstein brüstet man sich immer noch damit, man habe eine effiziente und schlanke Verwaltung. Ob das wirklich so ist, bezweifle ich sehr stark. Man beobachte einmal die Stellenanzeigen über einen gewissen Zeitraum: Wer und was da alles gesucht und angestellt wird! Dann kommen noch die befristeten Stellen dazu, die nicht ausgeschrieben werden. Die modernen Funktionäre der öffentlichen Verwaltung arbeiten heute in der Kommunikations-, der Compliance-, der IT- oder in der Personalabteilung Sie tragen nicht selten englische Berufsbezeichnungen und erledigen Aufgaben, von denen niemand so genau weiss, was sie eigentlich beinhalten. Bei uns ist festzustellen, dass eine enorme Zahl an Juristen in der Verwaltung beschäftigt wird.

Würden beim Bauamt die Strassenfeger oder die Mitarbeiter der Grünanlagen wegrationalisiert oder bei der Post Briefträger entlassen, so würde man die Folgen ziemlich rasch merken. Die Strassen wären dreckig, die Rabatten verwuchert, die Postzustellung unregelmässig usw. Hingegen dürfte ein Abbau in der Kommunikations-, Rechts-, IT-, oder Personalabteilung relativ unbemerkt vonstatten gehen. Sehr wahrscheinlich würden die wenigsten dieser Leistungen vermisst werden. David Graeber geht noch weiter, er hat den Verdacht, dass es der Welt in diesem Fall sogar besser gehen würde. Er ist auch überzeugt davon, dass ein beachtlicher Teil der Bull Shit Job-Halter wissen, dass sie eigentlich für eine ziemlich sinnlose Arbeit sehr gut bezahlt werden.

Adrian Ritz Professor am Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern bezweifelt, dass die Arbeit heute per se sinnentleerter sei als früher. Jede Zeit kannte ihre sinnlosen Tätigkeiten. Die zunehmende Spezialisierung und Arbeitsteilung tragen dazu bei, doch diese gebe es ja nicht erst seit heute. Aber auch Ritz beobachtet eine merkliche Ausweitung im «Overhead», wobei es hier zwischen der legalistischen und der managerialen Bürokratie unterscheidet. Erstere entsteht durch neue und immer mehr Gesetze. Sie ist gewollt oder wird zumindest in Kauf genommen. Die manageriale Bürokratie hingegen weitet sich unbemerkt aus. Sie hat stark zugenommen sagt Ritz. Dies führt zu Papier ohne Ende, keiner ist verantwortlich, keiner darf entscheiden und so wird das Papier im Kreis herumgereicht. Falls dann etwas schiefgeht, ist auch keiner Schuld am Debakel. Jeder hat das Papier gesehen und jeder hat das Kreuz an der richtigen Stelle gemacht. Kommt einem  doch bekannt vor ?

Adrian Amstutz, Nationalrat und Mitinhaber eines Architekturbüros, berichtet, «keiner könne Entscheidungen treffen und keiner wisse, was seine Aufgabe sei.» Deshalb würden letztlich einfach Papierhaufen im Kreis herum gereicht, Leerlauf ohne Ende und oft ohne Ergebnis. Triff dies bei unserer Landesverwaltung auch zu? Amstutz Kritik richtet sich hauptsächlich gegen die öffentliche Verwaltung, aber das gleiche Muster erkenne man immer häufiger auch in der Privatwirtschaft, zuerst bei Konzernen, mittlerweile auch bei mittelgrossen Unternehmen. Es sei eine Seuche und dies habe mit neuen Gesetzen nichts zu tun, ergänzt Amstutz, und entkräftete damit die Lieblingsausrede der Wirtschaftsführer.

Die Situation ist hausgemacht. Es ist die Folge davon, dass alle Chefs sein wollen. Jeder Chef will möglichst viele Untergebene, aber sicher mindestens zwei, denn ein Einzelner könnte zum Rivalen werden. Wenn dann die Untergebenen wiederum je zwei Untergebene erhalten, dann machen letztlich sieben Personen das, was vorher ein Beamter erledigte!

Interessant wäre einmal zu erfahren, was das Projekt «Verwaltungsreform» der Landesverwaltung, das der ehemalige Regierungschef Tschütscher initierte, gebracht hat. Dazu stellen sich mir folgende Fragen: Wie viele Stellen konnten eingespart werden? Wie viel Geld konnte eingespart werden? Oder wurden gar noch mehr Stellen geschaffen? Zu guter Letzt die Frage, hat der Bürger etwas davon gemerkt, geht es nun schneller bei einer Bewilligung, oder kostet etwas weniger Gebühren?

Was meint Ihr, geschätzte Leser/innen, wie viele «Bullshit Jobs» leistet sich Liechtenstein? Der Staat? Die Wirtschaft?

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