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Egokratie

Die Chefredakeurin des Liechtensteiner Volksblatt, Doris Quaderer, befasst sich in ihrem Kommentar vom 10. März 2018 mit dem Parteiaustritt des Abgeordneten Johannes Kaiser. Sie schlägt in ihrem Beitrag einen ungeheuren Bogen und meint, dass es erschreckend einfach geworden sei, bestehende Ordnungen zu zerstören, wenn jeder nur noch sich selbst der nächste sei. Somit würde aus Demokratie – Egokratie.

Es sei, laut Quaderer, so, dass die, die am lautesten kritisierten, am meisten Leute um sich scharen würden. Sie bezweifelt, dass dies Staat und Gesellschaft weiterbringen würde.

Natürlich kann man mit eingeschränkter Sichtweise und dem fehlenden Verständnis für gesellschaftliche und auch politische Veränderungen zu so einem Schluss kommen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Veränderungen jeglicher Art erst einmal schwer hinzunehmen sind, ganz einfach weil wir uns mit etwas Neuem beschäftigen und unsere Komfortzone verlassen müssen.

Spannend wird es auch, wenn Parteien übertrieben betonen, dass es bei ihnen keinen Fraktionszwang gebe und dies ja so in der Verfassung stünde, ja ihre Abgeordneten würden sich sogar gegen die eigenen Regierungsräte stellen. Lächerlich wird es aber, wenn einzelne Exponenten meinen, dass es ja einen grossen Unterschied zwischen Fraktionszwang und Fraktionsdisziplin gebe.

Dabei passiert in Wahrheit etwas ganz anderes. Das Problem bei eingefressenen und verkrusteten Systemen, sprich Parteien, ist, dass sie sich selber in Abhängigkeiten begeben haben, seien dies nun Wahlversprechen oder ganz einfach die «Belohnung» von verdienten Parteimitgliedern mittels Posten- und Funktionärsgeschenken. Parteien, die sich in dieser Spirale befinden, können gar nicht anders als kritikresistent zu sein. Denn alles was nach Veränderung riecht, zieht möglicherweise grössere Probleme nach sich, die niemand wirklich will, weil man ja «Bewährtes» nicht aufs Spiel setzen will. Zudem ist eine Mandatsdauer von vier Jahren nun wirklich nur allzu kurz für Veränderungen und überhaupt, wer weiss, was dann kommt.

Wenn ich von Kritik spreche, spreche ich von konstruktiver Kritik, die – und das weiss ich aus eigener Erfahrung – als Gefahr und somit Bedrohung des Altbewährten gesehen wird. Wie schützt Partei sich also vor dem entsprechenden Ungemach? Zuerst versucht man die Kritiker zu kaufen und – wenn das nicht hilft – versucht man sie zu bekämpfen. Dies führt dann unweigerlich zum Bruch.

Entscheiden Sie selbst: Sind Leute wie ein Johannes Kaiser, ein Harry Quaderer oder ich egozentrische Selbstdarsteller mit dem Hang zur Zerstörung, sind es Bürger, die sehen, dass nichts ewig hält und auch mal den Finger dort drauf tun, wo‘s bröckelt, oder sind es Leute, die unsere Gesellschaft weiter bringen wollen – in eine Zukunft in Liechtenstein, der ein lebenswerter und menschlicher Ort bleiben soll?

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