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Ehrenwerte Herren – die Fortsetzung

«Bordell – Ehemaliger Politiker vor Gericht», so lautete anfangs Januar ein Artikel im Liechtensteiner Vaterland.

Am 26. Februar konnte man dann den Landeszeitungen entnehmen, dass der Angeklagte schuldig gesprochen wurde und zwar hat er sich wegen Zuhälterei, Betrug, Geldwäscherei und wegen dem Vergehen gegen das Ausländergesetz zu verantworten. Das Strafmass fiel mit achtmonatiger Haftstrafe bedingt sehr moderat aus, wenn man bedenkt, dass das Gesetz für Zuhälterei ein Strafmass bis zu 3 Jahren Haft vorsieht.

Es ist beileibe nicht meine Absicht, den moralischen Mahnfinger gegen den ehemaligen Politiker zu erheben, und es steht mir auch nicht zu, das Strafmass zu kritisieren, da man davon ausgehen kann, dass sich das Gericht bei seinem Urteil sicherlich an das Gesetz gehalten und sich beim Urteil etwas gedacht hat.

Bei dieser Geschichte, die sicher ein tragisches Einzelschicksal beinhaltet, kommt mir aber unweigerlich der Roman «Schuld und Sühne» von Fjodor Dostojewski in den Sinn. Dostojewski beschreibt in seinem Roman den bitterarmen, aber überdurchschnittlich begabten Jura-Studenten Rodion Romanowitsch Raskolnikow. In einer Mischung von Armut und Überlegenheitsdünkel spaltet er sich zunehmend von der Gesellsaft ab. Raskolnikov sieht sich im Roman als Privilegierten, der aus seiner Sicht ein «erlaubtes Verbrechen» begehen darf. Was er dann auch tut.

Ich weiss natürlich, dass der Vergleich hinkt, aber dennoch lassen sich Parallelen erkennen, wenn sich unser Liechtensteiner Protagonist bzw. dessen Anwalt darüber beklagt, dass er in der Presse verunglimpft und seine Existenz kaputtgemacht werde.

Und genau hier wird es interessant: Anstatt für seine Taten gerade zu stehen, versucht der Verurteilte sich hinter fadenscheinigen Moralvorstellungen zu verstecken, indem er aussagt, dass er ja mit dem Geschäft nichts zu tun gehabt hätte, sondern lediglich die Zimmer vermietet hätte – dass er dies zu horrenden Preisen tat, lässt er aus. Dass er auch noch die Sozialhilfe betrogen hat, wird dann schon als Bagatelle dargestellt.

Dass jemand in finanzielle Schwierigkeiten kommen kann, ist keine Schande, dass man allerdings daraus eine Rechtfertigung zu einer ungesetzlichen Tat konstruiert, ist verwerflich. Ganz besonders für jemanden, der einmal eine bedeutende politische Position innehatte und grosszügig mit Worten wie «Werten» und «Moral» um sich warf.

Verantwortung wahrnehmen heisst Verantwortung tragen und zu seinen Taten zu stehen.

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