Offizielle Website der unabhängigen Abgeordneten in Liechtensteins Landtag
Besuchen Sie uns auf Facebook
die Unabhängigen - für Liechtenstein

Ein teures Wahlversprechen

Schulen werden gebaut, wenn Bedarf an Schulraum besteht, und sie werden dort gebaut, wo Schülerinnen und Schüler zu wenig Platz haben oder die Infrastruktur schlecht und veraltet ist – so würde man jedenfalls meinen.

Die Schülerzahlen der Sekundarstufe 1 im Schulbezirk Unterland werden in absehbarer Zeit nicht zunehmen, sie bleiben konstant oder nehmen eher noch ab. Mit der Demographie lässt sich die Notwendigkeit eines Schulhausbaus nicht begründen.

Das Schulzentrum in Eschen befindet sich, nach Aussage des Bauministers Daniel Risch in einem sehr guten Zustand und bietet auf Jahre hinaus genügend Platz für die Schülerinnen und Schüler aus allen Unterländer Gemeinden.

Der Landtag hat nun trotz allem beschlossen, das Schulzentrum SZU II zu bauen. Der Grund dafür ist wohl das vor langem abgegebene Versprechen, das Schulhaus in Ruggell zu realisieren. Abgeben hat diese Versprechen die damalige VU-Regierung, deshalb haben sich die VU-Vertreter in der Regierung über all die Jahre vehement für diesen Bau eingesetzt. Die Regierung ging allerdings davon aus, dass die Sekundarstufe I umstrukturiert und «Profilschulen» eingeführt würden. Nach diesem Konzept wären pro Jahrgang ca. 100 Schülerinnen und Schüler mehr in Eschen zur Schule gegangen, dies hätte einen Schulhausbau wohl notwendig gemacht. Das Volk hat in einer Abstimmung das Projekt SPES I aber abgelehnt und sich für die dreigliedrige Sekundarschule entschieden. Etwa ein Viertel der Jugendlichen besuchen weiterhin das Gymnasium Vaduz.

Es gebe andere Gründe für einen Neubau in Ruggell, referierte die Bildungsministerin Dominikque Gantenbein.

Standortnähe: Es sei von Vorteil, wenn die Kinder möglichst wohnortnah in die Schule gehen können. Wohnortnah gilt aber nur für die Kinder aus Ruggell. Für die Schüler aus Schellenberg und Gamprin ändert sich der Schulweg höchstens um ein paar Minuten. Dafür müssen die meisten Schülerinnen und Schüler des 10. Schuljahres einen viel längeren Schulweg in Kauf nehmen. Der Vorteil für die Schüler aus Ruggell wird damit zum Nachteil für viele andere.

Kleinheit und Überschaubarkeit: Eine kleine Schule sei besser als eine grosse. Diesen Mythos hört man immer wieder, wer dies behauptet, bleibt aber in der Regel den Beweis schuldig. Im Gegenteil, in einer zu kleinen Schule sind vor allem kulturelle Aktivitäten wie freiwilliger Schulsport, Chor, Schulband, Theatergruppe fast nicht möglich. Aber auch Wahlpflicht- und Freifächer werden kaum zustande kommen, da schlicht und einfach die Schülerzahl fehlt. Das Schulamt wird sich dann wohl behelfen, indem für die Wahl- und Freifächer, Ober- und Realschule zusammengelegt werden.

Die Bürger haben sich aber für ein dreigliedriges System entschieden, nicht für zweieinhalb oder zweidrei-

viertel. Das Schulamt war aber immer schon kreativ bei der Auslegung von Verordnungen.

Man muss die Unterländer verstehen, dass sie nach langen Jahren das SZU II nun endlich wollen. Es wurde ihnen versprochen und soll nun realisiert werden. Versprochen wurde es zu Zeiten der vollen Kassen und unter anderen Voraussetzungen. Ein teures Wahlversprechen, das nun endlich eingelöst werden soll – ein zu teures.

Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.