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Gewerbepolitik

Liechtenstein rühmt sich einer diversifizierten Volkswirtschaft, die zwar in boomenden Zeiten nicht die Wachstumsraten aufstrebender Schwellenländer kennt, dafür in schlechteren Zeiten keinen massiven Abschwung erlebt.

Nebst der stark exportorientierten Industrie, auf welche unser Land zu Recht stolz sein kann, darf man als weitere Pfeiler sicherlich das Finanzwesen und das allgemeine Gewerbe nennen. Dieses Gewerbe aber hat zu kämpfen, obwohl es sich um mehrheitlich familiengeführte Betriebe mit langer Tradition handelt. Ein grosser Teil der Arbeitnehmer Liechtensteins, vom einfachen Hilfsarbeiter bis zum Techniker, arbeiten in Gewerbebetrieben.

Obwohl immer wieder Strategien zur Standortattraktivität erarbeitet und kommuniziert werden, sind seit dem Beitritt zum EWR notwendige flankierende Massnahmen zur Abfederung der massiven Benachteiligungen für das Gewerbe nicht getroffen worden.

Der Abfluss an Arbeitsaufträgen ins benachbarte Österreich und teilweise Deutschland und der Konsum im Euro-Raum sind enorm. Diese Ausfälle können nicht mehr mit Mehraufträgen aus der Schweiz wettgemacht werden.

Bis anhin konnte das Gewerbe auf den starken schweizerischen «Heimmarkt» zählen, waren die Verflechtungen durch Zoll- und Währungsunion und den historisch gewachsenen Verbindungen wie dem Lehrlingswesen eng und beiderseitig äusserst befruchtend. Die komplette Freizügigkeit mit der Schweiz ohne Einschränkungen wurde bei allen Abkommen, die man so rasch und gerne schliesst – und sei es nur ein DBA mit einem lateinamerikanischen Staat – sträflich vernachlässigt. Wir schliessen DBA’s mit Ländern wie Uruguay ab, die für unsere produzierende Wirtschaft praktisch irrelevant sind, versäumen es aber unsere Beziehung zur Schweiz zu pflegen.

Vor lauter EWR und WTO haben wir vergessen, dass wir in einer Zollunion mit der Schweiz im Franken-Raum wirtschaften. Dabei sind wir im Rucksack der Schweiz hervorragend aufgehoben gewesen. Weshalb wird der Kooperation mit der Schweiz so wenig Aufmerksamkeit geschenkt?

Die Gewerbler kämpfen an mehreren Fronten: Mit dem starken Franken, mit den relativ hohen Löhnen (die sich aus den allgemein hohen Lebenshaltungskosten ergeben), mit der Arbeits- und Dienstleistungsfreizügigkeit mit unseren Nachbarn in Vorarlberg und Süddeutschland und mit bürokratischen Hindernissen auf dem zweiten Heimmarkt bzw. dem Franken-Raum Schweiz.

Man kann nun argumentierten, dass ein Strukturwandel unausweichlich sei, diesen habe es immer gegeben und werde es immer geben. Wenn der Kostennachteil im Vergleich zu Vorarlberg alleine bei den Löhnen je nach Branche bis zu 50% beträgt, dann kann man noch so innovativ sein: Handwerk und Gewerbe sind lohnintensive Branchen!

Tatsache ist, dass nicht einfach nur der Unternehmer keine Marge mehr hat: Der Staat und somit die Einwohner Liechtensteins zahlen ebenfalls drauf. Dem Staat entgehen Sozialleistungen, zum Teil Mehrwertsteuereinnahmen (in der Schweiz eben nicht), Arbeitsplätze (die Arbeitnehmer müssen im schlimmsten Falle durch die Sozialwerke aufgefangen werden) und direkte Steuereinnahmen.

Indirekt geht durch die vielen Vorleistungen wie Material, Mieten, Maschinen, Strom, Wasser und etwa Beratungsleistungen, die nicht mehr bei den Gewerblern nachgefragt und eingeholt werden, wiederum Wertschöpfung verloren.

Selbstverständlich verfügt Liechtenstein über ein einfaches Steuersystem, der Umgang mit den Behörden funktioniert in der Regel tadellos. Leider machen diese Faktoren die strukturellen Nachteile nicht wett.

Ob Liechtenstein für das Gewerbe noch so ein attraktiver Standort ist, könnte man ja prüfen, indem man nachzählt: Wie viele ausländische Gewerbler haben in den letzten Jahren ihren Sitz nach Liechtenstein verlegt? Und wie viele liechtensteiner Gewerbler sind ins benachbarte Ausland gezogen…

Es braucht eine konsequente Gewerbepolitik. Wer packt die Aufgabe endlich an? Es stehen zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel!

 

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